House of Wirecard(s)

von Robert Peres

@Tobias Hase/dpa

Wirecard-Zentrale in Aschheim, Bayern (©Tobias Hase /dpa)

Das Kartenhaus des Börsenlieblings Wirecard ist zusammengefallen. Strippenzieher Markus Braun, der ehemalige Vorstandschef, ist nun in Untersuchungshaft. Ein weiteres Vorstandsmitglied wurde gefeuert. Der Aktienkurs ist um 90% gefallen, die Anleger fühlen sich zu recht getäuscht. In dem Bilanzskandal geht es um mutmaßliche Luftbuchungen in Höhe von 1,9 Milliarden Euro, die das High-Tech-Unternehmen aus dem Münchner Vorort Aschheim an den Rand des Abgrunds getrieben haben.

Wirecard hatte Anfang der Woche eingeräumt, dass die Milliardensumme, die angeblich auf Treuhandkonten in Südostasien verbucht war, sehr wahrscheinlich nicht existiere. Im Zentrum des Skandals stehen der ehemalige Wirecard-Finanzchef in Südostasien und ein ehemaliger Treuhänder, der das mutmaßlich zum Großteil gar nicht existierende Geschäft mit Drittfirmen betreute. Schlecht sehen aber auch die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young (EY) aus und die BaFin.

Trotz vieler Hinweise ist die BaFin lieber gegen Shortseller und kritische Journalisten losgegangen, anstatt gegen Wirecard zu ermitteln. Der Skandal erinnert an die Pleiten von Enron, WorldCom und FlowTex. Dabei war man in Deutschland gerade dabei, ein eigenes Tech-Unternehmen von Weltrang zu bekommen. Nun diese Enttäuschung! Wie in anderen Fällen, in denen Anleger viel Geld durch die Gier und kriminelle Energie vordergründig renommierter Unternehmen verloren haben, wird es auch im Fall Wirecard langwierige Anlegerverfahren geben, denn in Deutschland existiert keine schlagkräftige Sammelklage wie in den USA. Potentielle Kläger sollten sich überlegen auch gegen EY vorzugehen, denn dort sind Prüfungsmängel passiert, die die jetzige Situation begünstigt haben. Falls Wirecard in die Insolvenz geht, stehen Anleger dumm da. Sie werden dann als Gläubiger zweiter Klasse behandelt oder gehen völlig leer aus.

Diese Website benutzt Cookies um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessen. Durch Ihren Besuch stimmen Sie dem zu.